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Was ist PCOS? Eine klare Erklärung des PCO-Syndroms

Von Theresa Huber, Gründerin von cosima · März 2026

Cosima ist ein digitaler Begleiter, kein Medizinprodukt. Die Inhalte auf dieser Website dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Eine PCOS-Diagnose kann nur von einer Ärztin oder einem Arzt gestellt werden. Wenn du Symptome bei dir erkennst, wende dich an deine Gynäkologin oder deinen Gynäkologen.

Du hast gerade die Diagnose bekommen, oder du vermutest schon seit Monaten, dass irgendetwas nicht stimmt. Unregelmäßige Zyklen. Haut, die verrücktspielt. Haare an Stellen, wo du sie nicht willst. Erschöpfung, die sich nicht erklären lässt.

Und dann: ein Arzttermin, ein Ultraschall, vielleicht ein paar Blutwerte, und das Kürzel PCOS.

Was das genau bedeutet? Das erklärt kaum jemand wirklich. Dieser Artikel ändert das.

Was PCOS ist, und was nicht

PCOS steht für Polyzystisches Ovarsyndrom (polycystic ovary syndrome). Es ist eine hormonelle Erkrankung, die Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Weltweit sind etwa 8 bis 13 Prozent aller Frauen in dieser Lebensphase betroffen, in Deutschland also mehrere Millionen Menschen (Bozdag et al., Hum Reprod 2016).

Der Name ist leider irreführend. „Polyzystisch" klingt nach Zysten, aber PCOS bedeutet nicht, dass du Zysten an den Eierstöcken hast. Was auf dem Ultraschall sichtbar ist, sind kleine, unreife Follikel, die sich am Rand des Eierstocks ansammeln. Das sieht aus wie eine Perlenkette und ist ein Zeichen dafür, dass der Eisprung nicht regelmäßig stattfindet.

PCOS ist also kein Problem mit den Eierstöcken allein. Es ist eine systemische Störung des Hormonhaushalts, die deinen Zyklus, deinen Stoffwechsel, deine Haut, dein Gewicht und oft auch dein Energieniveau betrifft.

Wie wird PCOS diagnostiziert?

Die Diagnose basiert auf den sogenannten Rotterdam-Kriterien. Das sind drei Merkmale, von denen du mindestens zwei erfüllen musst, damit PCOS diagnostiziert wird (Rotterdam ESHRE/ASRM Consensus, Hum Reprod 2004):

  1. Unregelmäßige oder ausbleibende Eisprünge: Zyklen kürzer als 21 oder länger als 35 Tage, oder Zyklen, die ganz ausbleiben.
  2. Erhöhte Androgenwerte: Entweder im Blut messbar, oder sichtbar als unerwünschter Haarwuchs (Hirsutismus), Akne oder Haarausfall am Kopf.
  3. Polyzystische Ovarien im Ultraschall: Die beschriebene Follikelansammlung am Eierstockrand.

Das bedeutet: PCOS sieht nicht bei allen gleich aus. Jemand kann die Diagnose bekommen, ohne jemals Haarwuchs im Gesicht gehabt zu haben. Eine andere hat seit Jahren Akne, aber einen halbwegs regelmäßigen Zyklus. Das Syndrom ist ein Spektrum, kein einheitliches Bild.

Was passiert im Körper?

Im Kern geht es um ein Ungleichgewicht zwischen zwei Hormonen: LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon). Normalerweise arbeiten diese beiden zusammen, um den Eisprung zu steuern. Bei PCOS ist dieses Verhältnis verschoben. LH ist oft erhöht, FSH zu niedrig. Das Ergebnis: Die Follikel reifen nicht vollständig heran, der Eisprung bleibt aus oder wird unregelmäßig.

Dazu kommt bei vielen, aber nicht allen, Frauen mit PCOS eine Insulinresistenz. Das bedeutet, dass die Körperzellen schlechter auf Insulin reagieren. Die Bauchspeicheldrüse produziert dann mehr Insulin, um denselben Effekt zu erzielen. Dieses überschüssige Insulin stimuliert die Eierstöcke, mehr Androgene zu produzieren, also männliche Geschlechtshormone wie Testosteron. Erhöhte Androgene wiederum stören den Eisprung und verursachen Akne und Haarwuchs. Ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt (Dunaif, Endocr Rev 1997).

Welche Symptome sind typisch?

Die häufigsten Symptome bei PCOS:

  • Unregelmäßiger Zyklus: Perioden, die ausbleiben oder stark variieren
  • Unerwünschter Haarwuchs: Im Gesicht, am Bauch, an der Brust (Hirsutismus)
  • Akne: Besonders am Kinn, am Kiefer, am Rücken
  • Haarausfall: Diffus oder an der Kopfhaut (androgenetisch)
  • Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten beim Abnehmen: Oft im Bauchbereich
  • Erschöpfung und Brain Fog: Häufig im Zusammenhang mit Insulinresistenz
  • Stimmungsschwankungen: Hormonell bedingt, oft unterschätzt
  • Schwierigkeiten beim Schwangerwerden: Durch ausbleibende Eisprünge

Nicht jede Frau mit PCOS hat alle diese Symptome. Manche merken kaum etwas außer einem unregelmäßigen Zyklus. Andere kämpfen mit mehreren dieser Beschwerden gleichzeitig.

Ist PCOS heilbar?

Nein, PCOS ist nicht heilbar. Aber es ist sehr gut behandelbar.

Das Ziel ist nicht, das Syndrom wegzumachen, sondern die Symptome zu managen und die langfristigen Risiken zu reduzieren. Denn unbehandelt erhöht PCOS das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und in bestimmten Fällen Gebärmutterschleimhautveränderungen (Legro et al., J Clin Endocrinol Metab 2013).

Was wirklich hilft, hängt von deinem individuellen Phänotyp ab, also von der konkreten Ausprägung deines PCOS. Ernährung und Bewegung haben bei den meisten Betroffenen einen messbaren Einfluss auf die Hormonsituation. Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, allen voran Inositol, zeigen in Studien positive Effekte. Und je nach Symptom gibt es medizinische Optionen, die weiterhelfen.

Der erste Schritt: Verstehen, welcher Typ du bist

Weil PCOS so unterschiedlich aussehen kann, ist der erste wichtige Schritt, deinen eigenen Phänotyp zu kennen. Welche Symptome hast du? Welche Blutwerte sind auffällig? Liegt bei dir Insulinresistenz vor, oder liegt der Fokus eher auf den Androgenen?

Je klarer das Bild, desto gezielter kann die Reaktion darauf sein.