Meine Geschichte mit PCOS
Von Theresa Huber, Gründerin von cosima · März 2026
Die Diagnose
Ich war bei meiner Gynäkologin wegen ausbleibender Periode, Energielosigkeit, und starken Stimmungsschwankungen. Sie hat sich kurz meine Symptome angehört und fast beiläufig gesagt: „Das könnte PCOS sein." Allein aufgrund dessen hat sie einen Ultraschall gemacht. Auf dem Bild: Eierstöcke mit vielen kleinen Follikeln. Ein klassisches Bild, wie sie sagte.
„PCOS?" „Ja, Polyzystisches Ovarialsyndrom. Sehr häufig." Zwei Supplements verschrieben, Bluttest angeordnet, der die Diagnose noch bestätigen sollte. Und dann war der Termin vorbei. Ich bin verwirrt rausgegangen, irgendwo zwischen Vermutung und Gewissheit, und habe gewartet.
Die Bestätigung kam per E-Mail ein paar Tage später. Von der Sprechstundenhilfe.
Das war es. Kein Anruf. Keine Erklärung. Keine Ergebnisse des Blutbildes.
Das „war das nicht schon immer so?"
Ich fing an zurückzudenken. Die unregelmäßige Periode hatte ich schon immer. Aber Teenagerjahre, Absetzen der Pille, Stress, Krankheit: Es gab immer eine Erklärung. Fast immer.
Die Akne als Teenager, die nie ganz weg ging. Die Momente, in denen ich in meinen Knochen gespürt hatte, dass mir irgendwas fehlt, ich wusste nur nicht was. Da waren auch die Carb-Cravings, die immer wieder sehr plötzlich einsetzten. Die Tatsache, dass ich morgens nie frühstücken wollte. Intermittent Fasting fällt mir eben leicht, dachte ich. Super. Ich war ja auch recht schlank.
Das alles war da. Schon seit Jahren. Ich hatte nur nie das Vokabular dafür.
Letztes Jahr
Mein Job letztes Jahr war leider peak hustle culture. Lange Stunden, ein schwieriger Chef, Druck, mich beweisen zu wollen. Ich kam um 22, 23 Uhr nach Hause, konnte nicht einschlafen, weil mein Kopf noch gebrummt hat, und brauchte außerdem noch ein bisschen Zeit nur für mich. Meine Periode blieb aus. Ich habe es dem Stress zugeschrieben.
Dann hat mich eine Freundin auf der Straße angesprochen. Wir standen in der Sonne und sie hat plötzlich gestoppt: „Warte mal, fallen dir die Haare aus? Du hattest doch immer dichtes Haar."
Ich war dann eher still. Ich hatte es bemerkt, aber nur in bestimmten Lichtverhältnissen, im Bad, aber nie im normalen Spiegel. Ich wollte nicht in Panik verfallen. Was ich dann natürlich tat.
Google sagte: Stress. ChatGPT sagte: Stress. Dauert drei Monate, dann wird es besser. Ich hatte PCOS damals noch nicht auf dem Schirm. Der Haarverlust ist, neun Monate später, immer noch nicht ganz weg.
Was der Termin war und was er hätte sein sollen
Ich will meiner Ärztin nichts vorwerfen. Sie hat die Diagnose schnell und präzise gestellt, war sachlich und trotzdem warm. Aber es gibt auch ein systemisches Problem: Ein Termin ist fünfzehn Minuten lang. Und in diesen fünfzehn Minuten ist nicht wirklich Platz für das, was eine frisch diagnostizierte Frau eigentlich braucht.
Es bräuchte zumindest einen dedizierten Folgetermin, bei dem man sich ordentlich Zeit nimmt für Fragen, Antworten und einen Plan. Irgendetwas, das sagt: wir sehen uns wieder, und dann stellen wir das gemeinsam ein.
Für sie war es vermutlich einer von vielen Terminen. Für mich war es die Nachricht, dass mein Körper seit Jahren etwas versucht mir zu sagen, und ich die Signale nie zu einem kohärenten Bild zusammengesetzt hatte.
Die Informationswüste danach
Ich habe mir den Laborbericht selbst angefordert. Dann ChatGPT gefragt, was die Werte bedeuten. Viele englische Podcasts gehört, darunter einen Huberman-Podcast mit Dr. Thais Aliabadi, die genauso empört ist wie ich über den Stand der Diagnose und Versorgung. Ein Buch über PCOS-Ernährung, das meine Mutter aus der Bibliothek hatte. Jessie Inchauspé (Glucose Goddess) für den Insulin-Teil.
Vieles davon war wirklich gut. Aber es war fragmentiert, auf Englisch, und man musste erst wissen wo man suchen soll, um es überhaupt zu finden. Auf Deutsch, für Frauen wie mich, alles an einem Ort: so gut wie nichts.
Ich habe es mir selbst zusammengestückelt. Das sollte niemand müssen.
Was jetzt funktioniert
Ich nehme Myo-Inositol morgens und plötzlich will ich frühstücken. Die Cravings sind weg. Das Gefühl in den Knochen, dass mir etwas fehlt: weg. Agnus Castus abends für Schlaf und mentale Stabilität. Magnesium. Mehr Protein. Weniger Zucker, weniger Kaffee, mehr Bewusstsein.
Es ist kein Wundermittel. Ich habe noch Tage, an denen ich total off bin. Der Haarverlust beschäftigt mich noch und mein Zyklus ist noch nicht total verlässlich. Aber es gibt etwas, das sich grundlegend verändert hat: Ich kenne meinen Körper gut, das war nie das Problem. Ich weiß, wie er sich anfühlt wenn er läuft, wenn er müde ist, wenn er Leistung bringt. Was ich jetzt zum ersten Mal habe, ist ein Erklärungsrahmen für meine Symptome. Ich weiß, warum ich morgens nie frühstücken wollte. Ich weiß, dass Insulin-Resistenz hinter den Cravings steckte. Ich weiß, was der erhöhte Stress wirklich mit mir gemacht hat. Das Wissen alleine hat etwas verändert.
Warum ich cosima baue
Es gibt einen Moment bei PCOS, der besonders einsam ist: kurz vor oder kurz nach der Diagnose. Du weißt gerade genug, um besorgt zu sein, aber nicht genug, um zu verstehen, was das für dich bedeutet. Und niemand nimmt dich wirklich an die Hand.
Genau dort hätte ich gebraucht, was ich jetzt baue. Nicht noch einen englischen Podcast. Nicht eine weitere Supplement-Seite aus den USA. Sondern etwas auf Deutsch, für meinen Körper, das mir sagt: Hier bist du. Das ist PCOS. Und das kannst du jetzt tun.
PCOS begleitet viele Frauen ein Leben lang. Aber mit dem richtigen Wissen und den richtigen Werkzeugen kann man in einen Zustand kommen, in dem man sich wieder wie man selbst fühlt. Den Weg dorthin wollte ich mir selbst skizzieren. Und dann dachte ich: warum nicht für alle.
Deshalb gibt es cosima.
