PCOS hat einen neuen Namen. Was PMOS bedeutet und warum das wirklich wichtig ist.
Von Theresa Huber, Gründerin von Cosima · Mai 2026
Seit heute heißt PCOS offiziell PMOS. Hinter dieser Umbenennung steckt 14 Jahre Forschung, 22.000 Rückmeldungen von Betroffenen und eine wichtige Erkenntnis: Der alte Name war schlicht falsch.
Was sich geändert hat
Seit dem 12. Mai 2026 hat PCOS offiziell einen neuen Namen. Das internationale Konsortium aus 56 Fachorganisationen, darunter die Endocrine Society und die Monash University, hat nach einem 14-jährigen Prozess mit mehr als 22.000 Rückmeldungen von Betroffenen und Fachleuten eine Entscheidung getroffen: Die Erkrankung heißt ab sofort Polyendocrine Metabolic Ovarian Syndrome, kurz PMOS (Teede et al., 2026, Lancet).
Die Umbenennung wurde beim Europäischen Endokrinologiekongress in Prag vorgestellt und gleichzeitig im Lancet veröffentlicht, einer der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt.
Was steckt hinter dem neuen Namen? Wort für Wort.
Der neue Name ist kein Zufall. Jedes Wort wurde bewusst gewählt, um zu beschreiben, was bei dieser Erkrankung tatsächlich passiert.
Poly-endocrine (Polyendokrin)
"Poly" bedeutet viele. "Endokrin" bezieht sich auf das Hormonsystem. Zusammen beschreibt "polyendokrin", dass bei PMOS mehrere Hormone gleichzeitig aus dem Gleichgewicht geraten, darunter Androgene, Insulin, LH und weitere (Teede et al., 2026, Lancet). Es ist keine Störung an einer einzigen Stelle, sondern ein systemisches hormonelles Ungleichgewicht.
Genau das wurde im alten Namen "polyzystisch" nicht sichtbar. Der Begriff deutete auf Zysten hin, nicht auf Hormone.
Metabolic (Metabolisch)
"Metabolisch" verweist auf den Stoffwechsel. PMOS ist nicht nur eine Erkrankung der Eierstöcke oder des Zyklus, sie hat starke Auswirkungen auf den Stoffwechsel: Insulinresistenz, erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen gehören zu den bekannten Folgen (Teede et al., 2026, Lancet). Dieses Wort im Namen macht sichtbar, dass PMOS auch ein Stoffwechselleiden ist, nicht nur ein reproduktives.
Ovarian (Ovariell)
"Ovarian" bezieht sich auf die Eierstöcke, bleibt aber bewusst breiter gefasst als der alte Begriff "polyzystisch". Laut Prof. Helena Teede, die den Umbenennungsprozess geleitet hat, umfasst "ovarian" die hormonellen Veränderungen im Eierstock und die Reaktionen der Follikel, ohne die Erkrankung auf Zysten zu reduzieren (Teede, zitiert in STAT News, 2026). Die Eierstöcke spielen eine Rolle, aber sie sind nicht der ganze Kern.
Syndrome (Syndrom)
"Syndrom" bleibt, weil PMOS eine Kombination aus mehreren Symptomen und Merkmalen ist, kein einzelnes klar abgrenzbares Krankheitsbild. Nicht jede Betroffene hat dieselben Symptome, nicht jede Diagnose sieht gleich aus. Der Begriff Syndrom spiegelt diese Vielfalt wider.
Warum "polyzystisch" nie gestimmt hat
Der Begriff "polyzystisch" klingt nach Zysten. Das ist das Problem. Denn bei PMOS geht es nicht um Zysten, sondern um Follikel.
Im Ultraschall kann bei manchen Betroffenen ein sogenanntes Perlenkettenmuster sichtbar sein: viele kleine, unreife Follikel (kleine heranwachsende Eier vor dem Eisprung), die sich entlang des Eierstocks anordnen. Dieses Bild hat historisch zur Bezeichnung "polyzystisch" geführt, obwohl es sich dabei nicht um Zysten im medizinischen Sinne handelt. Die Forschung bestätigt: Es gibt bei PMOS keine erhöhte Anzahl abnormaler Ovarialzysten (Teede et al., 2026, Lancet).
Das hat reale Konsequenzen gehabt. Wer im Ultraschall kein auffälliges Bild hatte, wurde häufig nicht erkannt oder zweifelte selbst an der Diagnose. Dabei ist das Perlenkettenmuster lediglich eines von drei diagnostischen Kriterien nach Rotterdam, kein zwingendes. Eine Diagnose ist auch ohne diesen Ultraschallbefund möglich, wenn die anderen Kriterien erfüllt sind. Der neue Name lässt diesen Irrtum endlich hinter sich.
Was das für dich bedeutet
Deine Diagnose verliert keine Gültigkeit. Deine Symptome ändern sich nicht. Was sich ändert, ist wie die Medizin über diese Erkrankung spricht, und damit hoffentlich, wie schnell du in Zukunft gehört wirst.
Ein Name, der den Stoffwechsel, das Hormonsystem und die Eierstöcke zusammen benennt, macht es leichter, früher und umfassender diagnostiziert zu werden. Er macht auch deutlich, dass eine Gynäkologin allein nicht immer ausreicht, und dass die Erkrankung eine gesamtheitliche Betrachtung verdient.
Mehr Hintergrund zur Erkrankung selbst findest du in unserem Artikel Was ist PCOS?.
Der Übergang dauert bis 2028
Der neue Name wird offiziell in den internationalen medizinischen Leitlinien 2028 verankert, nach einer dreijährigen globalen Aufklärungskampagne (Teede et al., 2026, Lancet). Bis dahin werden PCOS und PMOS gleichzeitig existieren. In Arztgesprächen, auf Befunden, in Recherchen.
Beide Begriffe meinen dasselbe. Du kannst sie gleichwertig verwenden.
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